Gelber Schein: hier eine andere Form der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung AU

Gelber Schein: hier eine andere Form der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung AU

Krankschreibung bei Burnout

Beim Burnout ist die Krankschreibung durch den Arzt eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU oder gelber Schein) macht es „amtlich“, was vorher oft lange verdrängt wurde: Es geht so nicht weiter. Es müssen grundlegende Veränderungen her. 

Hier finden Sie eine Übersicht, worauf Sie achten sollten, wenn Sie zum Arzt gehen.

Warum trauen sich viele nicht, mit Burnout zum Arzt zu gehen?

Viele Menschen stufen es als persönliche Niederlage ein, wenn sie nicht ständig voll leistungsfähig sind. Aber genau diese Haltung führt ins Burnout-Syndrom. Meistens geraten hoch motivierte Menschen in die Phase grenzenloser Erschöpfung.

Gehen Sie zum Arzt. So werden und bleiben Sie langfristig gesund und leistungsfähig

Sehen Sie eine Auszeit als Investition in Ihre Zukunft.

Welcher Arzt kennt sich mit Burnout aus?

Jeder qualifizierte Hausarzt sollte die Lage erkennen und eine bestimmte Symptomkonstellation dem Burnout zuordnen können. Allerdings gibt es Faktoren, die sogar Psychiater übersehen können:

Hierzu ein Auszug aus dem Geleitwort von Dr. Gunther Schmidt aus dem Buch Burnout-Prävention und -Intervention, erschienen bei Springer Gabler (Johannes Faupel, 2020):

„Da eben wie erwähnt Burnout gar nicht als ICD-Diagnose geführt, neigen viele Psychiater-Kollegen dazu, ihn einfach als Depression zu bewerten und so zu behandeln. Wie unsere Arbeit aber in vielen hunderten Fällen zeigt und die typische Entwicklung und auch die damit in Verbindung stehende Biographie von Menschen betrachtet, die eine Depression entwickeln und sie vergleicht mit der von Menschen, die einen Burnout entwickeln, so findet man in den meisten Fällen deutliche Unterschiede. In dieser Hinsicht bin ichmir z. B. auch mit meinem Freund Joachim Bauer einig, der auf diese Zusammenhänge ebenfalls hinweist (Bauer 2015).

Menschen, bei denen starke Depressionen diagnostiziert werden, haben oft eine lange Geschichte starker Selbstzweifel und schwachen Selbstwertgefühls, oft verbunden mit massiven Ängsten, auch Misserfolgserfahrungen usw. hinter sich, häufig nach vielen entwertenden und enttäuschenden Erfahrungen schon früh in ihren relevanten Beziehungen, Menschen, die einen Burnout entwickeln, beginnen fast immer mit starkem Selbstwert und Selbstbewusstsein, damit verbunden mit großem Enthusiasmus und oft größerem und auch bemerkenswert erfolgreichem Engagement in ihrer Arbeit oder sonstigen Tätigkeitsfeldern.

Dabei übernehmen sie viel Verantwortung „für das größere Ganze“, wenn dies dann aber nicht erreicht wird, steigern sie ihr Engagement noch mehr bis zu massiver Selbstausbeutung, wobei der innere Druck, oft aber auch ein gewisser Zynismus und Verbitterung immer größer werden, sie aber dennoch an den gewohnten Strategien festhalten, bis eben die Burnout-Entwicklung sie begrenzt und quasi signalisiert „bis hierher und nicht weiter“.

Diese Haltungen drücken aber keineswegs Schwäche oder geringe Belastungsfähigkeit aus, sondern gerade das Gegenteil und sie sind das Ergebnis von Haltungen hoher Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, von Bereitschaft zu engagiertem Einsatz weit über das üblicherweise erwartete Maß hinaus, auch von starker Loyalität z. B. der Firma gegenüber, in der jemand arbeitet und auch von Visionsfähigkeiten (denn das Engagement wird gemacht für Ziele, die als sehr sinnvoll angesehen werden und die man als Vision in sich trägt).“

Burnout Krankschreibung – was dem Arzt sagen?

Dem Arzt sagen Sie genau das, was mit Ihnen ist. Je nachdem, welche Phänomene Sie an sich beobachten. Zu den typischen Anlässen für eine Krankschreibung bei Burnout zählen:

  • Schlaflosigkeit
  • scheinbar grundlose Angst
  • Appetitlosigkeit
  • Tendenz, mehr Absacker zu trinken, um nach der Arbeit „runterzukommen“

Wie lange ist beim Burnout die Ausfallzeit?

Die Ausfallzeit beim Burnout ist länger als zwei bis drei Tage. Viele Betroffene meinen, sie müssten sich nur mal richtig ausschlafen und schön zum Shoppen gehen oder in die Sauna. Diese Fehleinschätzung ist typisch in der Welt von leistungsorientrierten Menschen. Was viele Außenstehende verkennen: Ein Zustand derart hochgradiger Erschöpfung bleibt nicht in den Kleidern hängen. Es braucht mehr als eine kleine Auszeit. Gehen Sie daher durchaus von einigen Wochen aus, bis Sie fit sein werden für weitere Planungen Ihres Berufslebens.

Burnout Krankmeldung – was darf ich?

Es gibt eine weit gefasste Regelung, die besagt: Was der Gesundung und der Gesundheit dient, ist im Rahmen einer Arbeitsunfähigkeitsphase erlaubt.

Ein Museumsbesuch oder der Aufenthalt im Schwimmbad kann sich als förderlich für den Gesundheitszustand erweisen.

Am besten fragen Sie Ihren Arzt, was er Ihnen zum Ausgleich empfiehlt.

Bei Burnout in die Klinik gehen?

Ob eine von Burnout betroffene Person in die Klinik muss, lässt sich pauschal nicht feststellen. Viele Menschen profitieren davon, wenn sie abseits des hektischen Alltags in einer guten, psychosomatisch und ressourcenorientiert arbeitenden Klinik unterkommen.

Krankschreiben im Burnout-Fall –Zusammenfassung

Diese Seite beschreibt das Thema Arztbesuch und Arbeitsunfähigkeit beim Burnout sehr genau. In gleicher Qualität und Informationstiefe finden Sie auf burnoutfachbuch.de vertiefende Informationen zu Themen wie:

Behandlung von Burnout – was hilft, was hilft eher nicht?

Burnout-Test – der große Online-Vergleich

Warum Burnout KEINE Modediagnose ist

Burnout – welche Ausfallzeit?

Ein Burnout-Syndrom ist eine kritische gesundheitliche Situation. Wer in diesem Zustand angekommen ist, hat lange Zeit vorher Raubbau mit seinem Körper begangen (und mit seinen emotionalen Anteilen).

Deshalb ist es im Zustand der restlosen Erschöpfung natürlich nicht damit getan, sich einmal ein schönes Wochenende zu machen.

Wie lange fällt man mit Burnout aus?

Hierzu zitiere ich aus einem Interview, das Sie auch in meinem Burnout-Fachbuch finden. Eine Person, die im internationalen Marketing gearbeitet hatte, saß eines Tages beim Arzt. Lesen Sie hier die Gedankengänge und Vermutungen, it denen sie ins Arztgespräch gegangen war:

Ich dachte, er schreibt mich hoffentlich für zwei Wochen krank, sodass ich mich etwas erholen kann – ich schlafe mich mal aus und mach ein bisschen Sport … einige Radtouren und ab und zu in die Sauna, belohne mich mal, schlafe mich aus … und dann geht es weiter im Job. Der Arzt aber sah mich ruhig an und sagte:

Denken Sie mal über eine Klinik nach. Für längere Zeit. 

Ich war total überrascht. Aus heutiger Sicht kommt es mir selbst absurd vor, aber auf dem Weg zum Arzt damals, als ich wie gesagt nur noch aus Angst bestand, hatte ich sogar die Befürchtung, für eine Simulantin gehalten zu werden. Würde er mich wohl tatsächlich krankschreiben? War das nicht vielleicht lächerlich? 

Burnout war bis Ende 2021 noch nicht im ICD-10

Das Burnout-Syndrom war bis 31.12.2021 immer noch keine offizielle Krankheitsdiagnose.

Der Arzt hatte somit keine eindeutige Kennziffer für die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Viele Ärzte attestierten bis dahin hilfsweise eine Depression.

Mit dem ICD-11 wird seit 01.01.2022 das Burnout-Syndrom als Erkrankung eingestuft

Im ICD-11 wird Burn-out genannt:

Das Burnout-Syndrom wird als Folge von nicht bewältigtem, chronischem Stress am Arbeitsplatz verstanden. Es ist durch drei Dimensionen bzw. Eskalationsstufen gekennzeichnet:

  1. Gefühle von Energiemangel oder Erschöpfung
  2. zunehmende mentale Distanz zur eigenen Arbeit oder Gefühle von Negativismus oder Zynismus in Bezug auf die eigene Arbeit
  3. ein Gefühl von Ineffizienz und mangelnder Leistung.

Der ICD-11 stellt fest: Burnout bezieht sich speziell auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen verwendet werden.

Quelle: https://icd.who.int/browse11 

Burnout wird von vielen unterschätzt

Immer noch halten viele das Burnout-Syndrom für eine Modediagnose.

Wer als Betroffener so etwas liest oder hört, erlebt damit eine starke Abwertung seiner Person.

  • Simuliere ich etwa?
  • Muss ich mich nicht einfach (noch viel mehr) zusammenreißen?
  • Die anderen schaffen das doch auch …

Das Ausblenden des Erschöpfungszustandes ist ein hohes Risiko

Ein junger Mensch kann einige Zeit in einem Hochleistungsmodus überleben.

Doch nicht erst ab Mitte vierzig wird es gefährlich, wenn man die Warnzeichen auszublenden versucht.

Burnout-Syndrom als Fahrkarte zur Gesundheit

Sehen Sie den Burnout als Chance, wieder zur Gesundheit zu kommen. Ihr Körper hat sich entschieden, die Stecker zu ziehen. Sagen Sie das dem Arzt. Er wird das Erforderliche veranlassen.