Erratische Assoziationen

Erratische Assoziationen finden sich u. a. bei Vorurteilen:

„Alle … sind … .“

„Ich muss … denken.“

Theorie (durch diverse Erfahrungen in der Beratungspraxis gestützt): Von einer Initial-Information mit hohem Impact (Hund zwickt Kleinkind in den Finger) geht eine – womöglich – hemisphärenübergreifende Überschwemmung des Gehirns aus, die eine erratische Assoziation zur Folge hat:

„Alle Hunde beißen. Alle Hunde sind gefährlich.“

Mit dem (wenn auch ungefährlichen und unblutigen) Biss in den Finger verbinden sich auf neuronaler Ebene:

  • kurzzeitiger Schmerz
  • großer Schreck
  • die Erwartungsenttäuschung: „Lieber Hund“ 🙂 ist in Wahrheit böser Hund 🙁

Es werden neuronale Netzwerke aktiviert, gebildet oder zumindest gestärkt, die dem Schutz der Unversehrtheit des Individuums dienen.

Vermutlich haben derartige Netzwerke Vorfahrt vor solchen, in denen es sich um das Nachdenken über weniger wichtige Lebensaspekte handelt, etwa „Nach welchem System sortiere ich meine Schallplatten?“

Es scheint, als ob im Moment des Bisses alle Dienststellen des Gehirns die Anweisung erhalten: Wenn noch einmal ein Bild von einem Hund, der Geruch eines Hundes oder das Bellen eines Hundes auftaucht – Flucht auf Baum bzw. Totstellen!

Das Gehirn ist voll von Irrtümern und Fehlannahmen

Die schönsten Resultate entstehen, wenn uns ein Witz erzählt wird. Eine Pointe ist deshalb aufregend, weil sie eine Erwartungsenttäuschung auslöst. Irgendeine Begebenheit wird erzählt. Das Gehirn rechnet hoch, wie sich die Geschichte (anhand der bislang erlebten Ereignisse und Geschichten im Leben) weiterentwickeln wird. Dann aber kommt es ganz anders. Das Gehirn setzt für einen Moment mit dem Denken aus und vollführt womöglich einen Reset für diese Geschichte. (Ein Navigationssystem würde die Route neu berechnen). Der Irrtum wird als solcher erkannt, und bei einem guten Witz brechen wir vor Lachen zusammen.

Wie lässt sich diese Phänomenologie für Lernprozesse nutzen?

Theorie (durch diverse Erfahrungen in der Beratungspraxis gestützt): Erwartungsenttäuschungen (postive wie negative) können eine Reset-Wirkung – Route wird neu berechnet – haben.

Erwartungsenttäuschungen bzw. Sackgassen auf Gedankenwegen lassen sich computergestützt einfach visualisieren.