Warum reagiere ich auf Kritik, als würde man mich persönlich angreifen?
Jemand sagt etwas zu Ihrem Projekt. Sachlich. Vielleicht auch berechtigt. Und in Ihrem Körper passiert etwas, das Sie nicht steuern können: Hitze, Enge, Kampfbereitschaft oder „Einfrieren“. Kritikempfindlichkeit bei Führungskräften wird meist als Dünnhäutigkeit diagnostiziert.
Kompetenzhyperdominanz zeigt die kompetente Kehrseite: überdimensionierte Identifikation mit der eigenen Arbeit.
Warum trifft Kritik an der Arbeit die Person?
Weil Arbeit und Identität nicht einfach voneinander zu trennen sind. Die Qualität dessen, was Sie schaffen, gehört zu Ihrem Selbstbild. Wenn jemand das Ergebnis kritisiert, kritisiert er – so die Wahrnehmung – Sie. Das ist keine dünne Haut. Das ist totale Hingabe.
Im Sense of Coherence nach Antonovsky ist der betroffene Faktor die Verstehbarkeit: Sie verstehen die Kritik sachlich, aber emotional ist sie nicht einzuordnen, weil die Grenze zwischen Person und Leistung nicht existiert. Kompetenzhyperdominanz baut diese Grenze – nicht als Mauer, sondern als Schwelle.
Wie geht man mit übermäßiger Kritiksensibilität um?
Nicht durch dickeres Fell. Sondern durch das Verständnis, dass die Empfindlichkeit das Signal einer Identifikationskompetenz ist. In einer systemischen Sitzung wird sichtbar, wie die Verschmelzung zwischen Person und Werk dosiert werden kann – ohne die Hingabe zu verlieren.
Das Konzept der Kompetenzhyperdominanz zeigt die Stärken hinter den vermeintlichen Schwächen.
Autor
Johannes Faupel
Systemischer Therapeut und Berater (SG- und IGST-zertifiziert)
Praxis in Frankfurt am Main
Springer-Fachbuchautor – Burnout-Prävention (2020)
Geleitwort Dr. Gunther Schmidt • Europäisches Patent
Konzeptentwickler: Kompetenzhyperdominanz
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