Warum fühle ich mich schuldig, wenn ich delegiere?
Sie könnten es selbst besser machen? Schneller? Gründlicher? Jede Aufgabe, die Sie abgeben, fühlt sich an wie Verrat am eigenen Standard. Delegationsblockade in der Geschäftsführung ist ein Kompetenzhyperdominanz-Muster: Die Verantwortungsübernahme ist so tief verankert, dass sich Abgeben wie eine Pflichtverletzung anfühlen kann.
Ist Delegieren Führungsschwäche?
Weder Schwäche noch Stärke. Für Menschen mit überdimensionierter Verantwortungskompetenz ist Delegieren ein systemischer Widerspruch. Der eigene Standard behauptet: Es ginge besser. Der Kalender sagt: Es geht nicht allein, ich bin auf andere angewiesen. Diese Spannung ist nicht durch Delegationstraining aufzulösen. Sie ist lösbar durch das Verständnis der Kompetenz, die das sinnvolle Delegieren blockiert.
Im Konzept der Kompetenzhyperdominanz lautet die Frage: Wie kann Delegieren die Handhabbarkeit erhöhen, ohne die Verstehbarkeit zu gefährden? Es wird sichtbar: Die gefühlte Selbstverpflichtung zum Selbermachen ist kein Kontrollzwang. Sie ist das Signal einer Verantwortungsqualität, die das Format einer einzelnen Person übersteigt.
Wie lernt man als Führungskraft das Delegieren?
Führungskräfte lernen das Loslassen nicht durch Seminare. Niemand muss Ihnen beibringen, „Müller, machen Sie das bitte“ zu sage. Delegieren ist eine Bereitschaftsbekundung. Durch das Sichtbarwerden der Kompetenz, die das Delegieren bislang verhindert hatte, kann das Abgeben von Aufgaben „mit gutem Gewissen“ beginnen. In der systemischen Arbeit nach dem Prinzip der Kompetenzhyperdominanz entsteht ein Rahmen, in dem Ihre Verantwortungskompetenz Platz hat – ohne dass Sie alles selbst tun müssen.
Autor
Johannes Faupel
Systemischer Therapeut und Berater (SG- und IGST-zertifiziert)
Praxis in Frankfurt am Main
Springer-Fachbuchautor – Burnout-Prävention (2020)
Geleitwort Dr. Gunther Schmidt • Europäisches Patent
Konzeptentwickler: Kompetenzhyperdominanz
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