Modellstarre: Wie kann ein System konsistent handeln und trotzdem systematisch falsch liegen?
Modellstarre (englisches Lemma: Model Lock-In) bezeichnet den Zustand, in dem sich die Umwelt verändert hat, das Lagemodell eines Controllers aber unverändert bleibt – sodass der Controller intern vollkommen rational handelt und extern systematisch falsch liegt.
Wie läuft Modellstarre ab?
In vier Schritten: Die Umwelt ändert sich. Das Modell bleibt bestehen. Der Controller bleibt in sich schlüssig. Seine Handlungen werden der Lage unangemessen. Das Beunruhigende daran: Von innen ist nichts zu bemerken. Jede einzelne Entscheidung folgt sauber aus dem Modell – nur das Modell passt nicht mehr zur Welt. Perfekte Konsistenz und systematischer Irrtum schließen einander nicht aus; sie treten gemeinsam auf.
Wie schützen Sie Ihre Organisation vor Modellstarre?
Durch eine benannte Instanz mit dem stehenden Auftrag, in festem Turnus zu fragen: Bildet unser Modell die Lage noch ab? Ein einmal validiertes Modell gilt sonst als erledigt, seine fortlaufende Gültigkeit prüft niemand. Das ist Modell-Kontrolle, Ebene 4 der neun Ebenen der Kontrolle. Regulatorischer Rahmen im EU-AI-Act-Hub.
Wo finden Sie den Gesamtüberblick zu Second Order Control?
Alle Konzepte, Ebenen und Prüfverfahren dieses Glossars führen auf eine gemeinsame Grundlage zurück: Second Order Control – die Kontrolle der Kontrolle. Dort finden Sie die Definition, das theoretische Fundament nach Heinz von Foerster und Niklas Luhmann sowie die Verbindung zur menschlichen Aufsicht nach Artikel 14 der KI-Verordnung.
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Johannes Faupel
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