Die Sprache eines Menschen bei der Beschreibung seines Lebens ist das Modell seines Lebens


Sprache wirkt rekursiv: Ausdruck einer Beobachtung (Expression) ist durch die entstehende Impression gleichzeitig Bestätigung und Erzeugung der Expression, die (erneut) hervorgebracht wird: „Situation X ist negativ“ „Wir hören die negative Beschreibung der Situation X und können diese entweder bestätigen oder zu widerlegen versuchen. Das Negativvorzeichen bleibt jedoch.“ Erst die explizite Umdeutung und Neubenennung bringen eine Veränderung.  

Theorie: Mit Modellen der computergestützten Semantikanalyse und Term Embedding können problembelastete Menschen zu einer Transferleistung eingeladen werden: „Wenn die Blackbox (neuronales Netz auf einem Minicomputer) das [Output durch Input verändern] kann, dann ist mein Gehirn ebenfalls dazu in der Lage.“ Ziel ist es, das Erleben von Selbstwirksamkeit und Wahlmöglichkeiten der Menschen zu steigern.  

Praktische Umsetzung: Klienten / Patienten wird ein RaspberryPi gezeigt. Auf diesem wird ein einfaches neuronales Netz trainiert. Schon bei einem einzigen zusätzlichen Begriff auf der Input-Seite ändert sich das Resultat. Für die IT-Welt ein trivialer Vorgang. Für Menschen, die Probleme erleben, eine Sensation.

These 1: Zeichne 2 Minuten des aktiven gesprochenen Wortschatzes eines Menschen auf und skizziere einen kleinen Korpus. Es wird sichtbar, nach welchen Gesetzen der Mensch lebt

Was sind die Headlines? Was sind die Fachbegriffe (persönliche Wertvorstellungen, Loyalitätsaufträge, Familienkultur etc.)? Welche entscheidenden Fußnoten und Quellenangaben werden eingestreut?

Hintergrund aus der systemischen Beratung, Therapie und Supervision: In den ersten Augenblicken einer Beratung skizzieren die Klienten präzise sowohl Problem(entstehung) als auch Lösungsmöglichkeiten. Alles, was sie zur gewünschten Veränderung benötigen, tragen sie in sich.

These 2: Nimm die auffälligsten zwei bis drei Begriffe aus ihrem Textkorpus. Biete „Suchen und Ersetzen“ an. Veränderung beginnt

Menschen sehnen sich nach Patentlösungen, nach Tabletten, Rezepten und Knöpfen, die sie drücken können, um etwas zu erreichen. Deshalb reagieren sie mit großer Compliance, schlägt man ihnen eine „nahezu triviale“ erste Veränderungsoption vor.

Hintergrund: Sobald Klienten z. B. statt „Ich habe immer …“ ersetzen durch „Ich hatte immer …“, verändert sich zweierlei: Erstens freuen sie sich daran, ihre Sprachmuster zu erkennen. Zweitens setzen Suchprozesse in ihren Gehirnen ein. „Wenn es früher so war, wie ist es dann heute / morgen / in Zukunft?“

These 3: Lasse die Klienten Filmszenen entwickeln, die das inszenieren, was sie noch nicht sagen / tun können. Bilder bringen in Form, was den Worten fehlte

Hintergrund: Personen, die ein traumatisches Ereignis schildern, verändern den Umgang mit dem Ereignis schnell und dauerhaft, wenn sie

1) eine zeitliche Komponente etablieren („Es ist vergangen, es ist nicht zu ändern“)

2) dem Ereignis Raum geben und („Es hat mich / uns viel gekostet, es ist eine Lücke entstanden“)

3) ihre Gefühle in einen adäquaten Rahmen setzen („Es ist sehr traurig, dass das so passiert ist, und ich gebe meiner Trauer Ausdruck, setze ihr ein Denkmal“)

Beispiel: Hinterbliebene nach einem Todesfall oder Menschen nach einer Trennung, nach Arbeitsplatzverlust etc. sind schon oft über folgendes Bild mit ihrer Trauer in Kontakt gekommen: Rosen in Ruinen tragen. Die Verluste im Leben werden als Ruinen thematisiert – und die Ruinen werden zum Zeichen der Trauer über den Verlust und der Würdigung des Ehemaligen mit Blumen geschmückt. 

Ereignisse, die bislang sprachlos machten und (oft mit psychosomatischen Konsequenzen) verschwiegen wurden, werden über Bilder behandelbar.

    Creating a Human  brain interface

    „You shall know a feeling by the words it is represented“

    Welche Rankings, welche Sprachmuster und welche Popularität weist die Sprache eines Menschen bezüglich seines aktuellen Themas auf?

    Über die Sprache definiert sich der Mensch in seinem Denken, seinem Ausdruck und seiner Selbstdefinition. Begriffe, die ein Mensch oft in seinem aktiven Wortschatz führt – so etwas wie: muss, oft, immer, leisten, problem, lösung, termin, zeit –  weisen auf seine Grundhaltung hin. Dies wird deutlich, wenn der aktive Sprachgebrauch einer anderen Person analysiert wird: freuen, gerne, austauschen, sehen, gelingen, glücken, hören, interesse, freizeit, gewinn.

    Was beim maschinellen Text Embedding die Vektoren sind, wird in der menschlichen Begriffswelt immer mit Bildern angereichert – bzw. Bilder lösen Wortabfolgen aus – und damit Gedanken, die wiederum rekursiv Bilder bestätigen (z. B. Gedankenkreisen).

    In Streit-Dialogen scheint eine spiegelneuronbedingte Anpassung zwischen den Kontrahenten zu bestehen (bei symmetrischer wie bei komplementärer Eskalation). Hier kommt es zu einer linguistischen Eskalation – entweder werden dieselben Wörter gebraucht – oder die Verbindung reißt gänzlich ab (man redet aneinander vorbei).

    Der große Unterschied zwischen Mensch und Maschine ist das analoge, die Streuquote, die einerseits dazu führt, dass beim Menschen eine große Fehlertoleranz besteht. Auch mit Kopfschmerzen tritt nicht gleich ein schwerer Systemfehler auf. Andererseits ergeben sich schnell verfälschte Werte (Vektoren), weil sich viel Grundrauschen (etwa die aktuelle Stimmung und Verfassung) in die Beobachtung und Bewertung eines Sachverhalts, einer Aufgabe oder Person mischt.

    Computer sind entweder aktiv oder inaktiv bzw. defekt. Einerseits ist dies ein gewisser Nachteil gegenüber dem Menschen und seiner natürlichen Intelligenz (auch der emotionalen Intelligenz, die stets mit dem Fluidum und dem Odem, dem Lebensatem in Verbindung steht, aus beidem schöpft. Andererseits aber ist die algorithmische Berechnung ein Vorbild für eine Tugend, die dem Menschen gut zu Gesicht steht: Präzision in der Analyse und im Ausdruck.

    Was tun?

    Am besten das eine tun und das andere nicht lassen. In der Ambivalenzzone zwischen künstlicher und natürlicher Intelligenz liegen die Chancen für Veränderungen.

    Assoziationsdeterminierte Systeme und deren Anwendung in Lernprozessen

    Lernen ist ein assoziativer, netzbildender Vorgang:

    • Erfassen von Signalen
    • Umwandeln von Signalen in Informationen (Bellen = Hund)
    • Filtern von Informationen
    • Bewerten von Informationen (Bellen = Hund = Gefahr)
    • Vergleichen und Einordnen von Informationen – in Verbindung bringen
    • Kategorisieren von Informationen
    • Abrufen von Informationen

    Erfassen von Signalen – umwandeln in Informationen

    Sinneszellen und die entsprechenden Zufahrtswege / Kanäle sowie Regionen im Gehirn sind daran beteiligt, Signale (Temperaturunterschiede, Töne, Druck, Gerüche usw.) zu erfassen: visuell, auditiv, taktil, gustatorisch, olfaktorisch. Dieses Gebiet ist von der modernen Hirnforschung in vielen Aspekten erschlossen. Es sei hier erwähnt, um den Zusammenhang des Folgenden zu verstehen.

    Filtern von Informationen – ein Knall auf der Straße

    Jemand geht in der Stadt an einer belebten Straße entlang. Ein Knall ist zu hören.

    Bevor sich die Großhirnrinde einschaltet und einen Diskurs in Gang setzt, ob dieser Knall eventuell Rückschlüsse auf eine potentiell bedrohliche Entwicklung geben könnte …, ist in Sekundenbruchteilen bereits eine Kette komplexer Gehirnleistungen gelaufen. Sogar die Frage, ob Sie sich umdrehen sollten, um nach der Ursache des Knalls zu hören, ist beantwortet.

    Das Vorfiltern von Signalen und die Verarbeitung zu Informationen geschieht unwillkürlich. In den meisten Fällen wird die folgende Einteilung vorgenommen. In vielen Fällen mit hoher Treffsicherheit. In vielen Fällen auch falsch [erratische Assoziationen].

    Im Fall des Knalls könnte es sich z. B. um folgende Ursachen handeln.

    • Der erste Böller an Silvester
    • Fehlzündung eines Motors, die durch einen Autoschalldämpfer schlägt
    • Schießerei auf der Straße
    • Gegenstand fällt von Hausdach

    Nur in Fall 3 und 4 wäre Vorsicht angebracht. Ähnlich verhält es sich im Alltag in Gesprächssituationen, bei Entscheidungen, bei Auseinandersetzungen usw.

    Die Einteilung im Gehirn scheint in zwei Hauptkategorien zu erfolgen, unter denen weitere Kategorien liegen (s. Tabellen 1 und 2). Befindet sich eine Information in einer der beiden Hauptkategorien, taucht sie selten in der anderen Hauptkategorie auf (dem ökonomischen Prinzip des Gehirns folgend, dass nur die relevanten Informationen der Beachtung und Aufmerksamkeit dienen, also: einer neuronalen Aktivität.)

    VorfilterungVorfilterung
    Information relevantInformation irrelevant
    Konsequenz: beachtenKonsequenz: ignorieren

    VorfilterungVorfilterung
    Information relevantInformation irrelevant
    Kontextualisierung Kontextualisierung: keine
    gefährlich
    ungefährlich
    angenehm
    unangenehm
    essbar
    nicht essbar
    zur Fortpflanzung günstig
    zur Fortpflanzung ungünstig
    dringendwird ignoriert, obwohl dringend
    kann warten
    kostenlos
    teuer

    Bewerten von Informationen – teilrationaler Vorgang

    Das Bewerten von Informationen kann bewusst und unter Beteiligung rationaler Fähigkeiten erfolgen. Dies setzt einen Relexionsprozess voraus. Durch Lesen, Rechnen, Befragen, Forschen, Berühren usw. kann eine Signalsammlung zu validen, belastbaren Information weiterentwickelt werden. Oder die Signalsammlung wird (sofern keine Sensibilisierung vorhanden ist) als irrelevant oder allgemeingültig unter Grundrauschen verschwinden:

    Informationen können auch unwillkürlich / intuitiv bestimmten Kategorien zugeordnet werden. Je größer die Ähnlichkeit einer Information zu anderen Informationen aus eine bereits vorhandenen, stabilen Kategorie, desto höher die Tendenz zur Vernetzung mit der vorhandenen Kategorie. Dies ist aus Hirnsicht ein ökonomischer Vorgang, bei dem jedoch hohe Verluste bei der Informationsgewinnung auftreten können.

    ZuordnungAbfrageKategoriebildung 
    KategorisiertUnkategorisiert
    Passt sofort in KategorieWozu am ehesten passend?
    LebewesenKategorie X?
    GegenstandKategorie Y?
    Eigenschaft ANoch keine KategorieJa
    Eigenschaft BJa
    Welche Kategorie?
    NeinNeue Kategorie erzeugen

    Theorie: Wenn es gelingt, auf der rationalen Ebene die laufende Prozesskette zu bedenken und einzuordnen, entsteht und stabilisiert sich eine Verbindung zwischen Unwillkürlichem und Willkürlichem (gedachte Trennungs-Hundertstelsekunde).