Bisher unerfüllter Kinderwunsch im Gesamtkontext

Unerfüllter Kinderwunsch | Systemische Paarberatung

Bei etwa jedem siebten Paar mit unerfülltem Kinderwunsch findet die Medizin keine Ursache.

Anteil der Paare mit unerklärter Unfruchtbarkeit nach vollständiger Abklärung: 15 Prozent. Quelle: Carson & Kallen, JAMA 2021.

Sie kennen die Liste: Spermiogramm, Hormonstatus, Zyklusmonitoring, Eileiterdurchgängigkeit, Insemination, Behandlungszyklen mit IVF oder ICSI. Punkt für Punkt abgearbeitet. Alle Werte in Ordnung.

Keine Fruchtbarkeitsstörung bei der Frau. Keine Hormonstörung beim Mann. Die Fertilität beider Partner ist geprüft, das Kinderwunschzentrum hat seine Arbeit getan – und die Ursachen bleiben offen. In der Fachsprache heißt dieser Zustand idiopathische Sterilität. Im Alltag heißt er: Es liegt an nichts, was man behandeln könnte.

Die Medizin hat damit eine Frage sehr genau beantwortet: Ist eine Zeugung möglich? Eine zweite Frage steht daneben und wartet: Trägt Ihre Lebenssituation gerade ein Kind?

Diese zweite Frage ist mein Feld. Das folgende Werkzeug stellt keine medizinische Frage und bewertet keinen Wert. Es prüft eine einzige Sache: ob Sie beide an denselben Stellen stehen.

So läuft es ab: Beide beantworten dieselben acht Fragen nacheinander am selben Gerät. Der zweite sieht die Antworten des ersten nicht. Am Ende erfahren Sie, an wie vielen Stellen Sie unterschiedlich geantwortet haben – nicht, an welchen. Alles bleibt in Ihrem Browser. Nichts wird gespeichert, nichts wird übertragen. Fünf Minuten.

Erste Person

Ihre acht Fragen

Antworten Sie für sich allein. Es gibt keine richtige Antwort.

Angenommen, das Kind wäre morgen da. Was wäre Ihr allererster Gedanke – der vor der Freude?

Wie sicher fühlt sich Ihr Kinderwunsch heute an?

Ist in den letzten zwei Jahren etwas in Ihrem Leben unübersichtlich geworden – beruflich, familiär oder gesundheitlich?

Lässt sich Ihr Kinderwunsch in Ihren Kalender einordnen wie andere Vorhaben auch?

Gibt es derzeit einen Bereich in Ihrem Leben, in dem Sie mehr Verantwortung tragen, als Sie abgeben können?

Behandeln Sie den Kinderwunsch wie ein Vorhaben, das gelingen muss?

Wissen Sie, was sich in Ihrem Alltag ändern müsste, damit ein Kind darin Platz hat?

Gibt es etwas zu diesem Thema, das Sie bisher für sich behalten haben?

Läuft vollständig in Ihrem Browser.

Die erste Person ist fertig.

Geben Sie das Gerät jetzt weiter. Die Antworten sind nicht mehr sichtbar.

Ihre Standortbestimmung

übereinstimmend
unterschiedlich

Diese Punkte sind der Stoff einer einzigen gemeinsamen Sitzung.

Ein Gespräch von 90 Minuten, zu zweit, in Frankfurt oder online. Sie bringen mit, was Sie hier gesehen haben. Wir sehen an, wo Sie auseinanderstehen, ohne es bisher gewusst zu haben – und was daraus folgt.

Honorar: 420 EUR zzgl. USt je Sitzung, insgesamt 499,80 EUR. Abrechnung direkt, keine Kassenleistung.

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Dieses Werkzeug stellt keine Diagnose, gibt keine Prognose ab und bewertet keine medizinischen Befunde. Es vergleicht ausschließlich, was Sie beide selbst eingegeben haben. Es ersetzt keine ärztliche Abklärung, Beratung oder Behandlung. Die medizinische Abklärung gehört in ärztliche Hände und läuft unabhängig von dieser Arbeit weiter.

Keine Cookies, kein LocalStorage, keine externen Verbindungen, keine Übermittlung Ihrer Angaben. Beim Verlassen oder Neuladen der Seite sind alle Eingaben gelöscht.

Was bedeutet ein einseitiger Kinderwunsch in einer Partnerschaft?

Einseitig heißt selten: einer will, der andere nicht. Meistens heißt es etwas anderes. Beide wollen. Aber mit unterschiedlicher Sicherheit, unterschiedlichem Tempo, unterschiedlichen Bedingungen. Und niemand spricht es aus.

Stellen Sie sich zwei Menschen vor, die dieselbe Reise gebucht haben. Beide sitzen im selben Zug. Beide haben dasselbe Ziel auf dem Ticket. Nur hat einer von beiden vor zwei Stationen angefangen, aus dem Fenster zu schauen und sich zu fragen, ob dieses Ziel noch seines ist. Er sagt nichts. Der andere merkt nichts. Der Zug fährt weiter.

Das ist der Zustand, den ich in der Praxis am häufigsten sehe. Nicht Streit. Nicht Ablehnung. Sondern zwei Menschen, die dieselben Termine wahrnehmen und dabei an verschiedenen Orten sind.

Partnerschaftskonflikte entstehen daraus selten als offener Streit. Sie entstehen als Höflichkeit. Der eine schont den anderen, der andere schont zurück, und was beide für Rücksicht halten, ist Schweigen über das Wichtigste. Über Jahre der Kinderwunschbehandlung wächst daraus eine Distanz, die niemand beschlossen hat.

Wie belastet ein unerfüllter Kinderwunsch die Beziehung?

Die Zahlen dazu sind eindeutig. In einer Auswertung von über 21.000 Patienten gehören Beziehungsprobleme und persönliche Gründe zu den häufigsten Gründen, aus denen Paare eine Behandlung abbrechen: zusammen rund ein Sechstel aller Abbrüche. Die psychische Belastung zieht sich dabei durch alle Behandlungsstadien. Sie kommt nicht erst nach einem Misserfolg.

Eine Richtung überrascht dabei viele: Sexuelle Schwierigkeiten sind als Ursache ungewollter Kinderlosigkeit selten. Als Begleiterscheinung von Diagnostik und Behandlung sind sie häufig.

Das ergibt Sinn. Ein Körper, der terminiert, beobachtet und bewertet wird, reagiert darauf. Diese Reaktion ist eine Leistung, keine Störung. Ihr Körper hat eine Lage eingeschätzt und sich verhalten. Die Frage lautet dann nicht: Was ist kaputt? Die Frage lautet: Worauf antwortet er?

Was macht ein unerfüllter Kinderwunsch mit der Psyche?

Drei Muster begegnen mir regelmäßig. Das erste sind Schuldgefühle: Einer der beiden hält sich für die Ursache, auch wenn kein Befund das hergibt, und trägt das allein. Das zweite ist der Umgang mit Hoffnungen, die zyklisch steigen und fallen – zwei Wochen Zuversicht, dann der Einbruch, und das über Jahre. Das dritte ist eine gedrückte Grundstimmung, die sich schleichend einstellt und von den Betroffenen selbst kaum bemerkt wird, weil sie zum Normalzustand geworden ist.

Keines dieser Muster ist eine Krankheit. Alle drei sind Reaktionen auf eine reale, langanhaltende Belastung. Und alle drei sind ansprechbar, sobald sie einen Ort haben.

Unerfüllter Kinderwunsch, obwohl alles in Ordnung ist

Das ist die Konstellation, um die es auf dieser Seite geht. Beide gesund, alle Untersuchungen ohne Befund, keine Ursache benennbar – und trotzdem passiert nichts. Für diese Paare hält die Medizin keine nächste Maßnahme bereit, sondern nur die Wiederholung der bisherigen.

Die Erfahrung, die viele dabei machen: Solange es einen Befund gibt, gibt es einen Plan. Ohne Befund fällt beides weg, und was bleibt, ist Warten ohne Aufgabe. Genau dieser Zustand ist bearbeitbar – nicht indem eine Ursache gefunden wird, sondern indem die Situation um den Kinderwunsch herum wieder gestaltbar wird.

Unerfüllter Kinderwunsch: wie damit leben, wie ihn akzeptieren?

Beide Fragen werden häufig gestellt, und sie meinen etwas Verschiedenes. Damit leben heißt, den Alltag zurückzugewinnen, während die Sache offen bleibt. Akzeptieren heißt, eine Entscheidung zu treffen und sie zu tragen.

Der Weg zum ersten führt selten über Ratschläge und fast immer darüber, dass das Thema einen begrenzten Platz bekommt statt den ganzen. Wer über Jahre in Zyklen denkt, verliert die Zeiträume dazwischen. Diese Zeiträume lassen sich zurückholen, und das ist konkrete Arbeit, keine Haltungsfrage.

Kann ein unerfüllter Kinderwunsch die Beziehung zerstören?

Er kann sie belasten, und in manchen Fällen führt er zur Trennung. Was in meiner Erfahrung den Unterschied macht, ist nicht die Dauer der Behandlung und nicht die Zahl der Fehlschläge. Es ist, ob beide über dasselbe reden.

Paare, die auseinandergehen, berichten fast immer von einer Phase, in der jeder für sich mit dem Thema umging, um den anderen zu schonen. Paare, die zusammenbleiben, haben irgendwann angefangen, unbequem miteinander zu sprechen. Diesen Punkt kann man herbeiführen. Dafür ist eine gemeinsame Sitzung da.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, den Kinderwunsch loszulassen?

Diese Frage darf gestellt werden. Sie ist ergebnisoffen, und sie führt in beide Richtungen.

Manche Paare klären in einer Sitzung, dass sie weitergehen wollen. Sie gehen danach mit einer Klarheit weiter, die sie vorher nicht hatten. Andere klären, dass sie aufhören wollen. Und stellen fest: Diese Entscheidung trägt, sobald sie ausgesprochen ist.

Beides ist ein Ergebnis. Tragfähig wird der Weg durch die Entscheidung selbst.

Ungewollte Kinderlosigkeit als Lebensform ist etwas anderes als ein Kinderwunsch, der Jahr für Jahr unerfüllt bleibt. Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern darin, ob eine Entscheidung getroffen wurde. Paare, die diesen Schritt bewusst gehen, berichten von einer Ruhe, die sie während der Behandlungsjahre nicht kannten. Paare, die ihn vermeiden, bleiben im Wartezustand – auch dann, wenn faktisch längst nichts mehr läuft.

Was leistet eine psychosoziale Kinderwunschberatung?

Kinderwunschberatung ist kein Trostangebot neben der eigentlichen Behandlung. Sie ist die Bearbeitung der Fragen, die im Kinderwunschzentrum aus Zeit- und Zuständigkeitsgründen offen bleiben: Wie steht es um Ihre Partnerschaft unter dieser Dauerbelastung? Welcher Entscheidungsprozess läuft bei Ihnen beiden gerade, und läuft er synchron? Was bedeutet dieses Vorhaben für Ihre Lebensplanung insgesamt?

Ich arbeite systemisch und in kurzen Formaten. Häufig genügt eine Sitzung zu zweit, in manchen Fällen ergänzt durch Einzelgespräche. Es gibt daneben Beratungsstellen mit anderen Schwerpunkten und Kostenmodellen – wenn eine davon besser zu Ihnen passt, sage ich Ihnen das.

Wenn es nicht mehr geht

Manche Menschen erreichen mit diesem Thema einen Punkt, an dem der Boden fehlt. Falls Sie dort sind: Das ist kein Zeichen von Schwäche, und Sie sind damit nicht allein. Ärztliche und psychotherapeutische Hilfe ist verfügbar, und Ihr behandelnder Arzt ist eine geeignete erste Adresse dafür. Wenn Sie akut nicht weiterwissen, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter 0800 1110111 oder 0800 1110222, rund um die Uhr, kostenfrei und anonym.

Meine Arbeit setzt an einer anderen Stelle an: bei Paaren, die handlungsfähig sind und Klarheit suchen.

Was diese Arbeit leistet

Ich sage Ihnen offen, was hier nicht behauptet wird: Nach heutiger Studienlage verbessert die Bearbeitung von Druck und Belastung die Schwangerschaftsraten nicht.

Der belegte Nutzen liegt woanders, und er ist erheblich. Er liegt beim Wohlbefinden. Bei der Fähigkeit, eine Behandlung durchzuhalten oder sie bewusst zu beenden. Und bei der Klarheit zwischen zwei Menschen, die dieselbe Sache unterschiedlich erleben.

Was Sie hier bekommen, ist Unterstützung an der Stelle, an der die medizinische Zuständigkeit endet. Das Wunschkind bleibt dabei Ihre Sache, nicht meine. Meine Sache ist der Weg dorthin und die Frage, ob Sie ihn zu zweit gehen.

Die europäische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin empfiehlt psychosoziale Begleitung als Bestandteil der Versorgung. Diese Arbeit ist ein Baustein davon – neben der ärztlichen Behandlung, nicht an ihrer Stelle.


Eine Sitzung. Zu zweit. Und die Frage, die bisher noch niemand gestellt hat.

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Johannes Faupel, Systemischer Therapeut und Berater (SG, IGST)
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Quellen

Carson, S. A., & Kallen, A. N. (2021). Diagnosis and Management of Infertility. JAMA, 326(1), 65–76.

Gameiro, S., Boivin, J., Peronace, L., & Verhaak, C. M. (2012). Why do patients discontinue fertility treatment? Human Reproduction Update, 18(6), 652–669.

Wischmann, T. (2010). Sexual disorders in infertile couples. The Journal of Sexual Medicine, 7(5), 1868–1876.

Boivin, J., Griffiths, E., & Venetis, C. A. (2011). Emotional distress in infertile women and failure of assisted reproductive technologies. BMJ, 342, d223.

ESHRE Psychology and Counselling Guideline Development Group (2015). Routine psychosocial care in infertility and medically assisted reproduction. Human Reproduction, 30(11), 2476–2485.

Johannes Faupel – Systemische Supervision und Coaching für Teams und Führungskräfte